Viridiana (1961)

Füße

Während das Gespräch zwischen Don Jaime und Viridiana auf der Tonspur weiterläuft, kümmert sich die Kamera um ihre Füße und zeigt sie als eigenständige Gebilde mit fremdartigem Verhalten. Die Wichtigkeit des menschlichen Schicksals wird dabei marginalisiert und abgewertet. Gleichzeitig werden die Ereignisse in einen umfassenderen Zusammenhang gesetzt, der ihnen eine Bedeutung verleiht, die über ihre kurze individuelle Zeitspanne hinausgeht. Als Phänomene des ewigen Kreislaufes der Natur werden ihnen diesselben Möglichkeiten von ewiger Erneuerung und zyklischem Wachstum verliehen, die der Natur als Ganzes innewohnen.

Mathias Mertens: Buñuel, Bachtin und der karnevaleske Film

"Das (z.B. die Füße) sind Elemente, die für mich sehr anregend sind, viel mehr als einfach nur Nacktheit. Anfang des Jahrhunderts in meiner Kindheit, wenn man da eine Frau sah, die in die Straßenbahn stieg und dabei ein wenig vom Knöchel und von der Wade zeigte, das Bein in einem schwarzen Strumpf und kaum sichtbar, dann war das für einen selbst ein außerordentliches erotisches Abenteuer. Schlimm für Sie, daß sie das nicht erlebt haben.”
Buñuel im Gespräch mit José de la Colina

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